Was entscheidet darüber, ob eine Palette nach dem Stretchen wirklich stabil ist? Nicht ein einzelner Wert und auch nicht einfach möglichst viel Stretchfolie. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Ladeeinheit, Folie, Folienspannung, Dehnung, Wickelbild und Verarbeitung.
Eine gut abgestimmte Folienwicklung hält die einzelnen Packstücke möglichst zuverlässig zusammen, ohne Kartons oder Produkte unnötig zu belasten. Gleichzeitig soll nur so viel Stretchfolie eingesetzt werden, wie für die jeweilige Anwendung tatsächlich erforderlich ist.
Diese 6 Faktoren entscheiden beim Stretchen
Für ein gutes Wickelergebnis sollten diese Faktoren nicht einzeln, sondern immer gemeinsam betrachtet werden.
1. Aufbau der Ladeeinheit
Gewicht, Höhe, Form und Stabilität der Palette bestimmen wesentlich, welche Kräfte die Stretchfolie aufnehmen muss.
Eine kompakte und standsichere Ladeeinheit ist deshalb die Grundlage für einen guten Stretchprozess.
2. Die passende Stretchfolie
Folienstärke allein reicht als Auswahlkriterium nicht aus. Auch Dehnfähigkeit, Rückstellkraft, Widerstandsfähigkeit und Verarbeitung spielen eine wichtige Rolle.
3. Folienspannung
Die Folie muss mit einer zur Ladeeinheit passenden Spannung aufgebracht werden.
Zu wenig Spannung kann zu einer lockeren Wicklung führen. Zu hohe Spannung kann empfindliche Kartons oder Produkte unnötig belasten.
4. Dehnung und Rückstellkraft
Stretchfolie wird während der Verarbeitung gedehnt. Anschließend versucht sie, sich teilweise wieder zusammenzuziehen.
Diese Rückstellkraft trägt dazu bei, die einzelnen Packstücke innerhalb der Ladeeinheit zusammenzuhalten.
5. Überlappung und Wickelbild
Wo und wie häufig die Folienbahnen übereinanderliegen, beeinflusst die Verteilung der Folie auf der Palette.
Besonders der untere Bereich, Übergänge und instabile Zonen benötigen einen zur Ladeeinheit passenden Wickelaufbau.
6. Ein reproduzierbarer Prozess
Ein gutes Ergebnis sollte möglichst nicht vom Zufall oder von der Tagesform des Bedieners abhängen.
Gleichmäßige Abläufe und passende Einstellungen erleichtern es, vergleichbare Ladeeinheiten auch vergleichbar zu stretchen.
Die Stabilität beginnt vor der ersten Folienwicklung
Eine Stretchfolie kann einen ungünstigen Palettenaufbau nur begrenzt ausgleichen. Deshalb sollte zunächst die Ladeeinheit selbst betrachtet werden.
Schwere Packstücke gehören möglichst standsicher auf die Palette. Große Zwischenräume, stark überstehende Kartons, instabile Stapel oder sehr unterschiedliche Packstückhöhen erschweren eine gleichmäßige Folienwicklung.
Je homogener und stabiler die Ladeeinheit aufgebaut ist, desto besser lassen sich Folie und Wickelprozess darauf abstimmen.
Vor dem Stretchen prüfen
Ist die Palette standsicher aufgebaut?
Gibt es große Zwischenräume?
Stehen Packstücke über die Palette hinaus?
Gibt es scharfe Kanten?
Kann sich das Packgut bereits ohne Folie leicht verschieben?
Folienspannung und Dehnung sind nicht dasselbe
Beim Stretchen werden häufig die Begriffe Spannung und Dehnung miteinander vermischt. Sie beschreiben jedoch unterschiedliche Aspekte des Wickelprozesses.
Dehnung
Die Dehnung beschreibt, wie stark sich die Stretchfolie gegenüber ihrer ursprünglichen Länge verlängert.
Wie weit eine Folie sinnvoll gedehnt werden kann, hängt von ihrer Qualität und Konstruktion ab.
Folienspannung
Die Folienspannung beeinflusst, mit welcher Kraft die Folie an der Ladeeinheit anliegt.
Sie muss ausreichend hoch sein, darf empfindliche Packstücke aber nicht unnötig zusammendrücken.
Bei Stretchmaschinen können Dehnung und Folienspannung je nach Maschinensystem und Einstellung unterschiedlich beeinflusst werden. Deshalb sollten Folie und Stretchmaschine zueinander passen.
Warum Überlappung und Wickelbild entscheidend sind
Nicht jede Stelle einer Palette benötigt automatisch dieselbe Anzahl an Folienlagen.
Der untere Bereich stellt die Verbindung zwischen Palette und Packgut her. Instabile Zonen oder Übergänge können zusätzliche Wicklungen benötigen. Gleichzeitig führt unnötig viel Folie an wenig belasteten Stellen lediglich zu zusätzlichem Materialverbrauch.
Ziel: Folie dort einsetzen, wo sie gebraucht wird
Ein gutes Wickelbild verteilt die Folie nicht einfach möglichst häufig, sondern passend zur jeweiligen Ladeeinheit.
Praxis-Ratgeber: Palette richtig stretchen – Schritt für Schritt ›
Handstretchen oder maschineller Stretchprozess?
Handstretchen
Bei manueller Verarbeitung beeinflusst der Anwender die Folienspannung, Überlappung und Anzahl der Wicklungen unmittelbar.
Das bietet viel Flexibilität, kann bei wechselnder Arbeitsweise aber auch zu unterschiedlichen Wickelergebnissen führen.
Maschinelles Stretchen
Stretchmaschinen können Wickelabläufe mit definierten Einstellungen wiederholen.
Dadurch lassen sich Folienspannung, Wickelprogramme und Folienverbrauch bei vergleichbaren Ladeeinheiten besser reproduzieren.
Was verrät ein schlechtes Wickelergebnis?
Typische Probleme können Hinweise darauf geben, welcher Teil des Stretchprozesses überprüft werden sollte.
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Was prüfen? |
|---|---|---|
| Packstücke bewegen sich stark | Wicklung zu locker oder Ladeeinheit bereits vor dem Stretchen instabil | Palettenaufbau, Folienspannung und Wickelbild |
| Kartons werden eingedrückt | Zu hohe Spannung oder ungeeigneter Wickelaufbau | Spannung, Folie und Anzahl der Wicklungen |
| Stretchfolie reißt häufig | Kanten, zu hohe Belastung oder ungeeignete Folie | Packgutkanten, Dehnung, Spannung und Folieneigenschaften |
| Sehr hoher Folienverbrauch | Zu viele Wicklungen oder Folie und Prozess sind nicht optimal aufeinander abgestimmt | Wickelprogramm, Überlappung, Folientyp und Dehnung |
| Wickelergebnisse unterscheiden sich stark | Unterschiedliche Arbeitsweise oder Einstellungen | Prozess standardisieren und Parameter dokumentieren |
Weniger Folie oder stärkere Folie – was ist wirtschaftlicher?
Für einen wirtschaftlichen Stretchprozess sollte nicht nur der Preis einer einzelnen Rolle betrachtet werden.
Entscheidend ist, wie viel Folie tatsächlich pro Palette benötigt wird und ob damit ein geeignetes Wickelergebnis erreicht wird. Eine leistungsfähige Folie kann je nach Anwendung trotz einer geringeren Folienstärke wirtschaftlicher sein als eine stärkere Folie mit höherem Materialverbrauch.
Deshalb sollten Folienverbrauch, Folieneigenschaften und Prozesssicherheit immer gemeinsam bewertet werden.
Praxischeck: Passt Ihr Stretchprozess?
Diese Fragen helfen bei der Beurteilung
- Ist die Ladeeinheit bereits vor dem Stretchen standsicher?
- Passt die Stretchfolie zur Anwendung und Verarbeitung?
- Ist die Folienspannung gleichmäßig?
- Wird die Folie kontrolliert und sinnvoll gedehnt?
- Sind Überlappung und Wickelbild reproduzierbar?
- Gibt es regelmäßig Folienrisse oder beschädigte Kartons?
- Ist der Folienverbrauch pro vergleichbarer Palette nachvollziehbar?
Häufige Fragen zu einem stabilen Stretchprozess
Was ist beim Stretchen am wichtigsten?
Es gibt nicht den einen entscheidenden Faktor. Ladeeinheit, Stretchfolie, Folienspannung, Dehnung und Wickelbild müssen zur jeweiligen Anwendung passen.
Bedeutet mehr Stretchfolie automatisch mehr Stabilität?
Nein. Zusätzliche Folienlagen erhöhen zwar den Materialeinsatz, verbessern das Wickelergebnis aber nicht automatisch. Entscheidend ist, ob die Folie an den richtigen Stellen mit passender Spannung eingesetzt wird.
Warum wird eine Palette trotz Stretchfolie nicht stabil?
Mögliche Ursachen sind ein instabiler Palettenaufbau, eine ungeeignete Folie, zu geringe oder zu hohe Spannung, ein ungünstiges Wickelbild oder eine nicht zur Ladeeinheit passende Verarbeitung.
Welche Rolle spielt die Vordehnung bei Stretchmaschinen?
Bei entsprechenden Maschinensystemen wird die Stretchfolie vor dem Aufbringen auf die Palette gedehnt. Wie stark diese Vordehnung sinnvoll ist, hängt von Folie, Maschine und Ladeeinheit ab.
Wie erkenne ich einen zu hohen Folienverbrauch?
Sinnvoll ist ein Vergleich ähnlicher Ladeeinheiten. Wenn für vergleichbare Paletten stark unterschiedliche Folienmengen benötigt werden, sollten Wickelablauf, Einstellungen und Folientyp überprüft werden.
Unsere Ratgeber rund ums Stretchen
Warum Paletten mit Stretchfolie sichern? ›
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Nennen Sie uns Ihre Ladeeinheit, die verwendete Stretchfolie und die bisherige Art der Verarbeitung. Wir unterstützen Sie gerne bei der Auswahl einer passenden Lösung.
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